Lübeck

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Lübeck ist eine deutsche Hansestadt in Schleswig-Holstein. Sie ist eine Hafenstadt an der Trave, deren Altstadtinsel seit 1987 Teil des UNESCO-Welterbes ist. Die Stadt hat rund 211.000 Einwohner, von denen Frauen die Mehrheit stellen.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Slawische Gründung von Liubice

Erste Besiedlungsspuren stammen aus der Weichseleiszeit, die vor etwa 117.000 Jahren begann. Die slawische Besiedlung begann um 700 nach Chr. Liubice, eine Vorgängersiedlung der Stadt, war eine Gründung der Abodriten, einem mittelalterlichen elbslawischen Stammesverband. Die Ranen, ein westslawisches Volk der Insel Rügen, brannten den Ort 1127 nieder.

Neugründung im 12. Jahrhundert

Neu gegründet wurde Liubice 1143 oder 1144 von Adolf II., Graf von Schauenburg und Holstein, einem Gefolgsmann von Heinrich dem Löwen, als erste deutsche Stadt an der Ostsee. Ein Brand zerstörte die Stadt; 1157 wurde sie von Heinrich dem Löwen wieder aufgebaut. Lübeck wurde Hauptort der Hanse und entwickelte sich zu einer bedeutenden Handelsstadt mit weitreichender politischer Macht. Im 14. Jahrhundert war Lübeck die zweitgrößte deutsche Stadt, an Größe wurde sie nur von Köln übertroffen. In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde die Reformation eingeführt. 1669 fand der letzte Hansetag in Lübeck statt. Die Einwohnerzahl schrumpfte von 31.068 im Jahr 1642 auf 23.596 im Jahr 1682.

Hexenprozesse

Zwischen dem 16. und dem 18. Jahrhundert fanden 47 Hexenprozesse in Lübeck statt. 13 Frauen wurden zum Tode verurteilt und im Stadtgebiet verbrannt. Auf dem Verbrennungspatz befindet sich jetzt ein Kinderspielplatz.

Nach dem Ende der Hansezeit

Die wirtschaftliche Bedeutung der Stadt sank, die Industrialisierung machte nur langsam Fortschritte. 1937 verlor Lübeck seine territoriale Unabhängigkeit. Während des Zweiten Weltkriegs wurde Lübeck in der Nacht zum Palmsonntag 1942 durch Bombardement der Britischen Royal Air Force stark zerstört. 301 Menschen kamen ums Leben, fast 1.500 Gebäude wurden zerstört, rund 2800 wurden schwer beschädigt, darunter auch bedeutende mittelalterliche Kirchen, die das Bild der Stadt geprägt hatten. Die Kirchen, darunter der Dom St. Nikolai und St. Marien, wurden nach Ende des Krieges rekonstruiert. Als letzte Kirche war St. Petri 1986 wieder hergestellt.

Seit Ende des Zweiten Weltkriegs

Die Einwohnerzahl der Stadt wuchs durch eine große Zahl von Flüchtlingen und Vertriebenen aus den Ostgebieten des ehemaligen Deutschen Reichs. Während Lübeck 1911 noch 100.00 Einwohner hatte und damit zur Großstadt wurde, hatte sie 1945 etwa 219.00 Einwohner. 1946 waren es 223.059 Einwohner. Die Folge war große Wohnungsnot; die Lage entspannte sich erst im Laufe der 1950er und 1960er Jahre.

Frauen bilden die Mehrheit

52, 5 Prozent der Einwohner Lübecks sind Frauen (Stand 2005/2006). Den größten weiblichen Bevölkerungsanteil haben die Stadtteile St. Jürgen mit 54 Prozent, St. Gertrud mit 53,2 Prozent sowie Travemünde mit 55,2 Prozent. Den kleinsten Anteil an Frauen hat mit 48,9 Prozent die Innenstadt.

13.484 Einwohnerinnen haben einen Migrationshintergrund; der größte Teil von ihnen ist polnischer Herkunft.

2005 hatte Lübeck 115.132 Haushalte; mit 58.101 waren darunter 50,1 Prozent Ein-Personen-Haushalte. Frauen stellten daran mit 55,1 Prozent der Mehrheit. Die Zahl der weiblichen Ein-Personen-Haushalte ist um so höher, je älter die Lübeckerinnen sind. 6.262Frauen, die alleine lebten, waren unter 30 Jahre; im Alter zischen 30 und 60 Jahre alt lebten 10.224 Frauen alleine. Die Zahl der allein lebenden Frauen über 60 Jahre betrug 15.519.

Die Zahl der Alleinerziehenden in Lübeck betrug 5.024 im Jahr 2005. Von ihnen waren 89,6 Prozent Frauen. Zwischen 2001 und 2005 wurden in Lübeck 69 gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften eingetragen; 46,4 Prozent der Partnerschaften wurden von Frauen geschlossen.

Politik

In Lübeck waren Frauen wie andernorts in Deutschland bis 1918 von der Wahrnehmung politischer Mandate ausgeschlossen. Erst im Zuge der Novemberrevolution 1918 erhielten sie das aktive und passive Wahlrecht. Die Frauenrechtlerin Charlotte Landau geborene Mühsam (1881-1972) war von 1919 bis 1921 Bürgerschaftsabgeordnete; sie kandidierte für die DDP.

Erste ehrenamtliche Senatorin in Lübeck wurde 1946 Luise Klinsmann (1896-1964). Die SPD-Politikerin wurde 1947 in den Landtag von Schleswig-Holstein gewählt und war ab 1950 zweite stellvertretende Bürgermeisterin Lübecks.

Als Stadtpräsidentin wurde die Journalistin und Gewerkschafterin Ingeborg Sommer (1923-2001) im Jahr 1986 höchste Repräsentantin der Stadt.

Das Amt der Bürgermeisters hatte bisher noch keine Frau inne.

Im deutschen Bundestag wird Lübeck seit 2002 von zwei Frauen vertreten. Direkt gewählt wurde für die SPD die Journalistin Gabriele Hiller Ohm (* 1953); über die CDU-Landesliste zog seit 1990 die Lehrerin Anke Eymer (*1949) in den Bundestag ein.

Wirtschaft

Die wirtschaftliche Lage von Frauen im Mittelalter hing von der Familie ab; unternehmerisch tätig werden konnten sie nur mit Genehmigung eines Vormunds. Eine Ausnahme galt für Kauffrauen. Ihnen gestand die Stadt Lübeck 1294 die Gleichstellung mit Männern zu. Eine erfolgreiche Kauffrau des späten 13. Jahrhunderts war Gertrud Morneweg, die nach dem Tod ihres Mannes dessen Geschäfte fortführte. Handel mit Stockholm, Gotland und Schonen betrieb Adelheide de Rode, die 1330 den Fischereibetrieb ihres Mannes geerbt hatte. Frauen waren vereinzelt in Zünften vertreten, darunter bei den Badern, Goldschmieden, Leinwandhändlern, Reifschlägern oder Schneidern.

52,9 Prozent der erwerbstätigen Frauen in Lübeck waren 1998 im Dienstleistungssektor tätig.

Bildung

Qualifizierte Mädchen- und Frauenbildung wurde in Lübeck bis ins 20. Jahrhundert nicht als staatliche oder kommunale Aufgabe verstanden. Margaretha Elisabeth Jenisch (1763-1832) stammte aus einer angesehenen Hamburger Familie. In Lübeck gründete sie zwischen 1803 und 1811 eine Freischule für bedürftige Mädchen.

Roquettesche Höhere Töchterschule und Roquettesches privates Lehrerinnenseminar

1801 gründete Clara Roquette eine Höhere Töchterschule, an der auch ihre Schwestern Amelie und Clara Roquette unterrichteten. 1877 wurde der Schule eine Einrichtung für Lehrerinnenausbildung angeschlossen. Das Roquettesches privates Lehrerinnenseminar bestand bis 1903; die Töchterschule führte Amelie Roquette bis 1912 als „staatlich conzessionierte höhere Mädchenschule“ fort. Zu den Absolventinnen des Lehrerinnenseminars gehörten Fanny zu Reventlow (1871-1918), Schriftstellerin, Malerin und Übersetzerin, sowie die Lehrerin Elise Bartels (1862-1940), die ab 1919 der Lübecker Bürgerschaft angehörte.

Ernestinenschule

1804 wurde die Ernestinenschule als Mädchenschule gegründet; sie besteht als koedukatives Gymnasium fort. Bis 1900 wurde die Ernestinenschule privat betrieben. Als zehnklassige Höhere Mädchenschule wurde sie im April 1900 von der Stadt Lübeck übernommen. 1902 wurde der Schule um ein staatliches Seminar für Lehrerinnen erweitert. Es qualifizierte die Absolventinnen für den Unterricht an mittleren und höheren Mädchenschulen. An der Schule unterrichtete von 1882 bis 1884 Deutsch und Französisch die in Lübeck geborene Cornelia Schorer (1869-1939), die eine der ersten promovierten Ärztinne in Deutschland war. Studiert hatte sie jedoch in Zürich (Schweiz) und wurde dort auch promoviert. Ihre Schwester Marie, die den Künsternamen Maria Slavona trug, war eine Malerin des Impressionismus. Esther Carlebach (1853-1920); gebürtig Esther Adler; besuchte die Ernestinenschule und unterrichtete dort bereits als 16-jährige. Emma Grünfeldt (*1880 in Wismar; 1941 deportiert), die später an der Kahlhorst-Schule Lehrerin war, war eine weitere Schülerin der Ernestinenschule.

Religion

ChristInnen in Lübeck sind seit der Reformation mehrheitlich evangelisch-lutherisch.

Elisabeth Haseloff, erste Pastorin in Deutschland im Sinne des Gesetzes

Die evangelisch-lutherische Kirche ließ zwar seit den 1930er Jahren zu, dass Frauen das erste und zweite theologische Examen ablegten, doch durften sie nicht Pastorin werden. So war Elisabeth Haseloff (1914-1974) 1941 die erste Frau, die in der damaligen Schleswig-Holsteinischen Landeskirche das zweite theologische Examen ablegte, jedoch wurde sie in Büdelsdorf lediglich als Pfarrvikarin beschäftigt. Nachdem die Evangelisch-lutherische Kirche in Lübeck 1958 ein Kirchengesetz verabschiedet hatte, das Frauen als Pastorinnen zuließ, wurde die erste Pastorinnenstelle in Lübeck mit Elisabeth Haseloff besetzt. Elisabeth Haseloff war die erste Pastorin Deutschlands im Sinne des Gesetzes, also ihren männlichen Kollegen in rechtlicher Hinsicht gleichgestellt, jedoch mit der Einschränkung des Gebots der Ehelosigkeit.

Bärbel Wartenberg-Potter, dritte Bischöfin in Deutschland

Bärbel Wartenberg-Potter (*1943 in Pirmasens) wurde 2001 als Bischöfin der Nordelbischen Evangelisch-lutherischen Kirche für den Sprengel Lübeck gewählt. Nach Maria Jepsen (*1945 in Bad Segeberg), die 1992 zur Bischöfin für den Sprengel Hamburg der Nordelbischen Evangelisch-lutherischen Kirche gewählt wurde, und Margot Käßmann (* 1958 in Marburg), seit 1999 Bischöfin der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannover, war sie die dritte Frau, die in Deutschland Bischöfin wurde.

Kultur

Lübeck war der Geburts-, Wohn- und Wirkungsort bekannter Künstlerinnen. 1823 wurde die Opernsängerin Luise Köster-Schlegel in Lübeck geboren. Sie trat als Kind am Theater Lübeck in Opern auf und war 20 Jahre lang Sängerin an der Berliner Hofoper. Die Dresdener Schauspielern Luise Firle (1865-1942) trat in Lübeck auf. Die 1868 in Prag geborene Opernsängerin Therese Saak debütierte 1884 in Lübeck. Die Schauspielerin Ilse Werner (1921-2005) verbrachte ihren Lebensabend in einer Lübecker Senioreneinrichtung, unterstützt von Freunden und Bewunderern. Im Rahmen von Kulturveranstaltungen trat sie dort gelegentlich noch auf.

Soziale Einrichtungen

Frauenhäuser

Lübeck verfügt über zwei Frauenhäuser; eines wird von der Arbeiterwohlfahrt betrieben; das Autonome Frauenhaus ist eine Einrichtung des Vereins Frauen helfen Frauen. 2005 verzeichneten die Frauenhäuser 10.040 Übernachtungen von 217 Frauen sowie 13.921 Übernachtungen von 240 Kindern. Die Mehrzahl der Frauen hielt sich bis zu drei Monate in einem der beiden Frauenhäuser auf, nur ein geringer Anteil blieb länger.

2004 wurden in Lübeck 62 Hausverbote gegen gewalttätige Ehemänner ausgebrochen, 2005 waren es 79.

Unterstützung für Opfer von Gewalttaten und Belästigungen

Um Frauen, die Opfer von Gewalt oder Belästigung werden, kümmern sich der Frauennotruf, der Verein biff, das Projekt KiK – gegen häusliche Gewalt an Frauen, das Frauenkommunikationszentrum Aranat, das Kinderschutzzentrum sowie die Polizei.

Die Mehrzahl der Opfer von Gewalttaten wie Tötungsdelikten, Körperverletzung, Raub und Freiheitsberaubung sowie sexueller Gewalt in Lübeck im Jahr 2005 waren Männer. 2.566 Männern als Opfer standen 1.574 Frauen gegenüber. Nahezu ausschließlich von sexueller Gewalt betroffen waren Frauen und Mädchen, eine kleinere Zahl dieser Taten betrafen Jungen. 198 Fälle von Delikten gegen sexuelle Selbstbestimmung wurden 2004 registriert, 75,2 Prozent wurden aufgeklärt. 2005 wurden 45 Fälle sexueller Gewalt registriert; in 21 Fällen kannten die Opfer die Täter zuvor nicht.

Opfer von Stalking werden sowohl Frauen als auch Männer. Der Frauennotruf beriet 2004 wegen Stalkings 40 um Hilfe suchende Frauen und zwei Männer, im Jahr 2005 44 Frauen. In allen Fällen waren Männer die Täter. In 96 Prozent der Fälle waren die Täter Ehemänner, ehemalige Partner, Bekannte, Nachbarn, ehemalige Arbeitskollegen oder Schüler. Nur in vier Prozent der Fälle bestand keinerlei Beziehung der Opfer zu den Tätern.

Lübeckerinnen

Frauen aus Lübeck mit einem eigenen Artikel und solche von besonderer Bedeutung sind geordnet nach Geburtsdatum; auch Lübeckerinnen, die nicht in der Stadt geboren wurden, hier aber ihren Wirkungskreis hatten, sind aufgenommen.

  • Gertrud Morneweg († 1301), Kauffrau
  • Catharina Sophia Hasenkamp (* um 1796), Dienstmädchen und Meierin
  • Luise Köster-Schlegel (1823-1905), Opernsängerin
  • Ida Boy-Ed (*1851 in Bergedorf; † 1928 in Lübeck-Travemünde), Schriftstellerin, Journalistin und Mäzenin, Förderin von Thomas Mann und Wilhelm Furtwängler
  • Esther Carlebach (1853-1920), gebürtig Esther Adler, Rabbiner-Ehefrau, Mutter von zwölf Kindern, Schriftstellerin
  • Cornelia Schorer (1863-1939), eine der ersten als Ärztin promovierten deutschen Frauen
  • Maria Slavona (1835-1931), gebürtig Marie Dorette Caroline Schorer, Malerin des Impressionismus
  • Martha Frahm (*1894 in Kalkhorst; † 1969), Verkäuferin, Mutter von Willy Brandt
  • Luise Klinsmann (1896-1964), gebürtig Herta Frieda Luise Schmidt, SPD-Politikerin
  • Elisabeth Haseloff (1914-1974), evangelisch-lutherische erste Pastorin im Sinne des Gesetzes in Deutschland seit 1958
  • Isa Vermehren (*1918); Kabarettistin, Schauspielerin und Ordensfrau
  • Lisa Dräger (1920 in Hamburg-Rissen), technische Zeichnerin und Mäzenin
  • Edith Carstensen (1926 in Lichtenstein/Sachsen), Scherenschnittkünstlerin und Gründerin der Lübeck-Hilfe für krebskranke Kinder e. V.
  • Anke Eymer (* 1949 in Fiefbergen), Lehrerin und CDU-Bundestagsabgeordnete
  • Marianne Bachmeier (*1950 in Sarstadt; † 1996 in Lübeck), Gastwirtin
  • Gabriele Hiller-Ohm (1953), Journalistin und Bundestagsabgeordnete (SPD)
  • Sandra Völker (*1974), Schwimmerin
  • Angie Geschke (*1985), Handball-Bundesligaspielerin

Quellen

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