Laura von Oelbermann

Aus frauenwiki-dresden.de

Wechseln zu: Navigation, Suche

Laura von Oelbermann Protestantische Stifterin, (geb. -- -- 1846 in Köln gest. -- -– 1929 Köln)

geb. Nickel

Laura Nickel wurde als Tochter des Bürstenwarenhändlerpaares Reinhold und Emilie (geb. Molineus oder Molinus) am Altermarkt geboren. Sie besuchte das Lyzeum der evangelischen Gemeinde in der Antoniterstraße und wurde 1861 konfirmiert. Sie verliebte sich 1866 an Karneval in einen reichen Kaufmann Emil Oelbermann aus Köln (oder aus Lennep). Zunächst hatte dieser selbst ein Tuchgeschäft am Altermarkt geführt und war Teilhaber an einer Tuchfabrik in Lennep geworden. Zudem reiste er für die Seidenwarenfirma Christoph Andreae aus Mülheim (bei Köln). Aufgrund seiner erfolgreichen Geschäfte mit den USA seit den späten 1850ern wanderte er dorthin aus und wurde Mitgründer der Deutsch-amerikanischen Versicherungsgesellschaft. Für seine Vertretung von Andreae und Schoeller (Düren) kam er bisweilen nach Köln zurück. Inwieweit er in Pelz- oder Sklavenhandel verstrickt war, ist noch ungeklärt.

Laura folgte ihrem gleichfalls protestantischen Ehemann nach New York. Sie gebar 3 Söhne: Emil * 1872, Alfred * 1874 und Harry * 1877 (und anscheinend eine Tochter, deren Namen derzeit noch nicht bekannt ist). Beide nahmen die amerikanische Staatsangehörigkeit an. Nach ca. 12 Jahren in NY packte sie das Heimweh nach Köln so stark, dass beide 1878 zurückkehrten (unter Aufrechterhaltung der New Yorker Firma). In Köln zogen sie für zwei Jahre ins vornehme Hotel Ernst (jetzt Excelsior). Nach dem Tod des Direktors des Schaaffhausenschen Bankvereins bewohnten sie dessen Stadtwohnung (Unter Sachsenhausen 4) mit standesgemäßen 28 Zimmern. Das Paar hatte schon früh die städtebauliche Perspektive der Öffnung zu der Ringstraße nach Sprengung der Stadtmauer erkannt und sicherte sich ein Filetstück am Hohenstaufenring 57. 1891 bezog die Familie ein Stadtpalais im Stil der italienischen Renaissance - laut Klara van Eyll das großartigste Privathaus der Neustadt. Auch ansonsten zeigte die Familie gerne einen prächtigen Lebensstil, scheute sich nicht, ihren Reichtum zu zeigen. Besonders Lauras Ausgang war ein gesellschaftliches Ereignis, das bisweilen zu Publikums-Aufläufen führte.

Emil Oelbermann assoziierte sich mit einem noch recht jungen Teilhaber zur Firma Oelbermann, Dommerich & Co. Er wurde in den Aufsichtsrat der Kölner Rückversicherungsgesellschaft gewählt.

Seine Frau fand freundliche Aufnahme in die höchste (protestantische) Kölner Gesellschaft und wirkte in der evangelischen Gemeinde mit.

Emil starb unerwartet 1881 (woanders:1896 oder 1897). Viele Nachrufe in deutschen wie amerikanischen Zeitungen bezeichnen ihn als wichtigen Bahnbrecher deutsch-amerikanischer Handelskontakte. Es blieb nicht bei diesem Verlust, auch die drei Söhne verstarben innerhalb einer recht kurzen Frist (Harry 1897 auf Korsika, Emil in Vervi bei Genua 1901 und Alfred 1904 in Konstanz). Die Tochter scheint eine Mesailliance eingegangen zu sein und nach Riga geheiratet zu haben.

Nun bezog sich die alleinstehende Millionärswitwe viel enger auf den Glauben und die Werte des Gebens. Sie spendete ihre Zeit wie das aus den Firmen geschöpfte Geld zu großen Teilen der evangelischen Gemeinde, Wohltätigkeitsvereinigungen und auch städtischen Institutionen. Ein Hauptschwerpunkt lag dabei auf der Förderung von Mädchen. Sie gründete das gesamte Evangelische Krankenhaus im Weyertal und gewann die Kaiserin als Protektorin (150.000 Mark, für den Altarraum gab sie nochmals 30.000 Mark). L. O. gründete die Laura-Oelbermann-Stiftung und förderte Säuglingsheime (das Auguste-Viktoria-Heim in der Overstolzenstraße – benannt nach ihrer Vertrauten, der Kaiserin), Kinderkrippen/Kindergärten, Horte (so den Emilienhort in der Händelstraße). In der Severinstraße unterstütze sie das Charlottenhaus, ein Haus für Kinder notleidender Eltern. Sie verwaltete die Emil-Oelbermann-Stiftung und rief eine Diakonissenstation für männliche Krankenpflege ins Leben. Auch eine Diakonissenstation mit Kaiserswerther Schwestern wurde bedacht (Schwesternheim). Die Freundschaft mit der Kaiserin, mit der sie der gelebte Glaube nun verband, bewirkte, dass in Köln ein Evangelischer Verein für Frauenhülfe (Kölner Frauenhülfsverein) gegründet wurde, in dem Laura Oelbermann selbstverständlich bald den Vorsitz übernahm (1908-1918 erste Vorsitzende), um ihm anschließend gigantische Summen zukommen zu lassen. 2/5 der Vorsitzenden waren übrigens männlichen Geschlechts. Ein reichsweiter protestantischer Frauenverein war 1901 eine Idee der Kaiserin Auguste-Viktoria gewesen, - er sollte bereits existierende und neu zu gründende lutherisch ausgerichtete Frauenvereine mit karitativer Zielsetzungen koordinieren. 1908 war der Kölner Ortsverein mit ca. 1000 Mitgliedern einer der größten protestantischen Vereine Kölns - in seiner Höchstzeit besaß er ca. 1100 Mitglieder. Als Dachverband fungierte der Evangelisch kirchliche Hilfsverein zur Bekämpfung der religiös-sittlichen Notstände in Berlin und anderen großen Städten.

Als Arbeitsschwerpunkt waren karitative Arbeiten wie die häusliche Krankenpflege, die Organisation von Erholungsaufenthalten für kranke Gemeindemitglieder, die Speisung von Kranken, die Einkleidung von Bedürftigen definiert. Auch die Vermittlung von Heimarbeit wurde organisiert. Die Ausstattung sozial schwacher Familien führte Laura Oelbermann neben der Institutionenbeihilfe zur direkten Einzelfallhilfe, die sich nur wenige engagierte Damen der Gesellschaft zutrauten: So betrat sie die ärmlichen Wohnungen bzw. Verschläge ihrer bedürftigen Schützlinge - bisweilen erledigte sie fast gehetzt 12 bis 15 Besuche pro Tag - und gab den Familien aus vollen Händen. Sei es, dass sie den Vorratsschrank auffüllte, kostbare Bekleidungsteile brachte wie Schuhe, oder den Hausrat komplettierte mit Betten, Wäsche, Küchengeräten. Damit die Familien sich selbst ernähren konnten brachten die Damen Produktionsgeräte wie Nähmaschinen oder Werkzeug, richteten Nähschulen ein, ließen Nähunterricht erteilen und suchten Abnehmer für Heimarbeitsprodukte. 1906 betreute der Verein über 200 Familien, 1913 ca. 250. Neben den Honoratiorengattinnen wirkten an diesem Projekt professionelle evangelische Krankenschwestern und Diakonissen mit.

1906 nahm Laura Oelbermann wieder die deutsche Staatsangehörigkeit an.

1908/1909 gründete sie aus dem Vermögen des letzten (?) verstorbenen Sohnes auf Initiative der Kaiserin die Palästina-Stiftung (Ölberg Stiftung), die eine Haushaltsschule und ein Hospiz ins Leben rief. Nicht zuletzt dieses Projekt trug ihr von der Kaiserin einen Orden und von Kaiser Wilhelm II den Adelstitel ein - damit war sie vermutlich die letzte Deutsche, die je geadelt wurde.) Laura von Oelbermann hieß das Mädchen vom Altermarkt nun.

Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges unterstützte die resolute Dame ganz patriotisch die "Heimatfront", indem sie Gelder für die Kriegshilfe einwarb. Dieses betrieb sie sehr effektiv und mustergültig organisiert.

Nach ihrem Tod der über die Grenzen der Stadt hinaus bekannten Stifterin im Juni 1929 wurde eine große Trauerfeier in ihrem Haus ausgerichtet. Die gesamten Kunstwerke wurden versteigert

Ihr riesiges Haus wurde zum Wohnheim für berufstätige Frauen umgewimet. Bis Ende der 1960er Jahre wohnten hier berufstätige evangelische Frauen. Auch ein Versammlungsraum für evangelische Jungfrauenvereine war vorgesehen.

L.O. hatte sich auf soziales Engagement festgelegt , direkte politische Statements sind von ihr nicht überliefert - und wurde in dieser Schicht auch nicht gewünscht. Jedoch war sie parteilich - einerseits für das protestantische Kaiserreich durch ihre Geldzuwendungen und vor allem die Kriegsunterstützung, andererseits für Kinder und Marginalisierte.

[bearbeiten] Literatur

Im Archiv des Kölner Frauengeschichtsvereins:

  1. Hedwig Dietlein: Unveröff. Manuskript
  2. Klara van Eyll:
  3. Barbara Becker-Jakli:
  4. Kölner Stadtanzeiger (Kopie)
  5. Testament (Kopie)

In der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln:

Versteigerungskatalog 294 der Versteigerung vom Dezember 1929: Galerie Frau Laura von Oelbermann + Köln Hohenstaufenring 57, Math. Lempertz Köln (Signatur RhK 48)


Pro domo: Kaitzbach Webdesign empfiehlt: Besuchen Sie auch unsere Seite Wandern um Dresden

Persönliche Werkzeuge