Auguste Richter

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(geb. 5. Mai 1804, gest. 6. August 1854)

Auguste Freudenberg erblickte im Mai 1804 in Proschim bei Senftenberg das Licht der Welt. Ihre Eltern, die ein Rittergut in der Niederlausitz gepachtet und große Not in den Kriegsjahren (Napoleonische Kriege Anfang des 19. Jahrhunderts) erlitten hatten, starben jedoch schnell hintereinander. Als vierjähriges Kind war sie daraufhin von einem kinderlosen, aber verheirateten Onkel namens Ephraim Böttger ins Einnehmerhaus am Dippoldiswalder Schlage genommen und gewissenhaft erzogen worden.

Auguste lernte um 1820 bei gemeinsamen Tanzstunden den jungen Maler und Zeichner Ludwig Richter kennen und eine romantische Liebe keimte auf. Ludwig schreibt über Auguste: "Sie hatte etwas Frisches, Heiteres und dabei sehr Anspruchsloses in ihrem Wesen." Im Sommer liefen sie oft zu den Räcknitzer Höhen oder verbrachten glückliche Stunden in Böttgers Blumengarten.

Als Ludwig Richter den russischen Fürsten Narischkin, Oberkammerherr der Kaiserin von Russland, auf seiner Reise nach Frankreich und Italien begleitete oder später, von "Papa Arnold" finanziert, zu Studienzwecken nach Rom reiste, hielt Auguste ihm die Treue.

"Ihr einfach natürliches Wesen, das Resolute, Verständige, Tüchtige in allem, was sie vornahm, Muster und musterhaft geschult im Hauswesen und Küche, und endlich ohne viel Worte und Gebärde, von Herzen demütig und gottesfürchtig, so war sie ein Bürgermädchen jener Zeit", schwärmt Ludwig Mitte der 1820er Jahre. Am 4. November 1827 heiraten Ludwig und Auguste dann endlich in der Dresdner Kreuzkirche, gerade nach Ende des Frühgottesdienstes. "Die angetraute Gefährtin ward [ihm] ein Segen und das treueste Glück [seines] Lebens während der siebenundzwanzig Jahre, welche Gott sie [ihm] geschenkt hat." Leider blieb für Flitterwochen oder Hochzeitsreisen keine Zeit, denn Ludwig arbeitete an dem für Baron von Quandt bestimmten Gemälde "Der Abend und die Heimkehr der Landleute nach Civitella". Wer genau hinschaut, erkennt in dem Mädchen, das die Felsenstufen als letzte hinaufsteigt und als einzige den Betrachter anblickt, Ludwigs Braut Auguste, die er somit in ihrer Natürlichkeit verewigt hat.

Auguste schenkte ihrem Mann vier Töchter, Marie, Aimee, Helene und Elisabeth, sowie einen Sohn, Heinrich. Allerdings verstarb Marie 1847 nur 18-jährig und Heinrich, der später des Vaters Verleger wurde, litt unter lebenslanger Schwermüdigkeit. Die Familie wohnte hauptsächlich in Dresden und Anfang der 1830er Jahre in Meißen während Ludwigs Lehrzeit an der dortigen Zeichenschule, einer Filiale der Dresdner Kunstakademie.

An einem milden Sommerabend in Sperlings Weinberg in Dresden-Loschwitz erlitt Auguste erst 50-jährig einen Schlaganfall und verstarb innerhalb weniger Stunden. Ihr Grab befindet sich auf dem Loschwitzer Friedhof von Dresden, wohingegen Ludwig Richter, der 30 Jahre nach ihr verstarb und bis dahin allein blieb, wegen anderer Religion weit weg von seinem geliebten Gustchen auf dem Neuen Katholischen Friedhof in der Dresdner Friedrichstadt begraben ist.


Literatur:

  • Ludwig Richter: "Lebenserinnerungen eines deutschen Malers". (Verschiedene Veröffentlichungen/Auflagen)
  • Christel Hebig: "Sichtbar ist der Tod, unsichtbar das Leben geworden", in: SZ 05.05.2004


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